Ein Zugstrang, der nur einen Lochabstand zu lang eingestellt ist oder unter einem verdrehten Riemen läuft, fällt beim Aufschirren oft nicht auf. Unter Zug verändert sich das Bild jedoch sofort: Das Kummet kann verrutschen, der Zug wird ungleich verteilt und das Pferd reagiert im ungünstigsten Moment. Zugstränge sicher am Kummet befestigen bedeutet deshalb weit mehr, als Karabiner oder Schnallen zu schließen. Entscheidend sind ein passendes Kummet, die richtige Zugrichtung und eine sorgfältige Kontrolle vor jeder Fahrt.
Warum die Befestigung am Kummet so entscheidend ist
Das Kummet überträgt die Zugkraft großflächig auf die Schulterpartie des Pferdes. Die Zugstränge sind an den dafür vorgesehenen Zugbeschlägen der Kumtbügel bzw. Zugösen befestigt und führen zum Ortscheit. Dessen Verbindung zur Waage und zum Wagen hängt von der Anspannung ab. Ist diese Verbindung falsch verschnallt, zu lang, zu kurz oder verdreht, kann die Kraft nicht sauber über das Geschirr arbeiten.
Dabei geht es nicht nur um Leistung oder einen ruhigen Zug. Unpassende oder falsch geführte Zugstränge können Druckstellen verursachen, die Bewegungsfreiheit einschränken und das Pferd verunsichern. Besonders bei jungen Pferden, im Straßenverkehr, im Gelände oder bei einem plötzlich auftretenden Widerstand darf die Verbindung keine Schwachstelle sein.
Welche Befestigungsart richtig ist, hängt vom Geschirr ab. Traditionelle Lederkummete, moderne Synthetikgeschirre und unterschiedliche Systeme für Einspänner oder Zweispänner können sich bei Beschlägen, Schnallen und Zugstrangführungen unterscheiden. Die Grundregel bleibt aber gleich: Die Zugkraft muss direkt, symmetrisch und ohne Belastung von Nebenriemen in den Zugstrang gelangen.
Vor dem Anschirren: Kummet und Zugstränge prüfen
Eine sichere Verschnallung beginnt nicht erst am Pferd. Legen Sie Kummet und Zugstränge vor dem Anschirren sichtbar aus und prüfen Sie das Material bei gutem Licht. Bei Leder sind besonders die Lochbereiche, die Nahtenden, die Schnallenlaschen und die Stellen hinter Beschlägen relevant. Rissiges oder strukturell beschädigtes Leder wird vor der nächsten Fahrt ersetzt. Lederpflege stellt die Tragfähigkeit eines beschädigten Riemens nicht wieder her. Trockenes, noch unbeschädigtes Leder wird nach Herstellerangaben gepflegt.
Bei Synthetikzugsträngen sollten Kanten, Nähte, Durchzüge und die Befestigung von Haken oder Schlaufen kontrolliert werden. Verschmutzungen können kleine Schäden verdecken. Auch Metallteile verdienen Aufmerksamkeit: Verbogene Haken, aufstehende Kanten, schwergängige Karabiner oder Rost sind keine Kleinigkeiten, denn sie können die Funktion unter Last beeinträchtigen.
Das Kummet selbst muss zum Pferd passen. Es darf weder auf dem Widerrist drücken noch zu tief auf die Schulter fallen. Ein korrekt eingestellter Zugstrang kann ein unpassendes Kummet nicht ausgleichen. Treten nach dem Fahren wiederkehrend Scheuerstellen, warme Druckpunkte oder Abwehr beim Anschirren auf, sollte immer das gesamte Geschirr kontrolliert werden - nicht nur der sichtbare Riemen.
Die Zugstränge paarweise beurteilen
Zugstränge werden grundsätzlich als Paar betrachtet. Beide Seiten müssen vom gleichen System stammen, vergleichbar lang sein und gleich belastbar wirken. Ein neuer, fester Zugstrang auf einer Seite und ein deutlich gealterter Riemen auf der anderen Seite führen zu unterschiedlichem Dehnverhalten. Das kann den Geradezug beeinträchtigen, selbst wenn die Lochung zunächst identisch aussieht.
Messen Sie bei Unsicherheit beide Seiten von der Befestigung am Kummet bis zum hinteren Anschluss aus. Bei Leder kann sich ein Zugstrang im Laufe der Nutzung längen. Kleine Unterschiede lassen sich je nach Geschirr verschnallen, größere Abweichungen sind ein Grund, das Paar zu erneuern.
Zugstränge sicher am Kummet befestigen: die richtige Reihenfolge
Schirren Sie das Pferd auf einem ebenen, ruhigen Platz an und arbeiten Sie immer nach derselben Reihenfolge. So erkennen Sie Abweichungen schneller. Das Kummet liegt zuerst korrekt an, die Kummetbügel beziehungsweise die dafür vorgesehenen Zugstrangösen sind frei zugänglich, und die Zugstränge werden ohne Verdrehung nach hinten geführt.
Befestigen Sie jeden Zugstrang ausschließlich am vorgesehenen Beschlag des Kummets. Ein Riemen darf nicht um einen Bügel gewickelt, durch einen unpassenden Ring gezogen oder an einem Nebenriemen eingehängt werden. Improvisierte Verlängerungen, ungeeignete Karabiner oder zusätzliche Schlaufen können sich unter Zug verlagern und gehören nicht in eine sicherheitsrelevante Verbindung.
Bei einer Schnallenverbindung wird die Schnalle sauber geschlossen und die Spitze des Riemens vollständig durch die vorgesehene Schlaufe geführt. Das freie Ende darf nicht weit abstehen. Bei Haken- oder Schnellverschlusssystemen muss der Haken vollständig im Beschlag sitzen und gegen unbeabsichtigtes Aushängen gesichert sein, sofern das System eine Sicherung vorsieht.
Anschließend prüfen Sie die Lage von vorn und von der Seite. Beide Zugstränge müssen auf gleicher Höhe aus dem Kummet austreten und frei nach hinten laufen. Sie dürfen nicht am Vorderbein, am Ellenbogen, am Bauchgurt, an der Schere oder an der Deichsel reiben. Ein verdrehter Zugstrang wirkt zunächst oft harmlos, kann unter Last aber Druck auf Kanten und Beschläge konzentrieren.
Länge und Zugwinkel erst vor dem Wagen beurteilen
Die endgültige Beurteilung erfolgt erst, wenn das Pferd angespannt ist und gerade vor dem Wagen steht. Dann zeigt sich, ob die Zugstränge gleichmäßig zum Ortscheit oder zur Waage laufen. Das Pferd sollte gerade stehen können, ohne dass ein Strang deutlich durchhängt oder bereits stark spannt.
Zu lange Zugstränge erzeugen beim Anfahren einen spürbaren Ruck. Der Wagen kommt verzögert in den Zug, und das Pferd kann einen unnötigen Stoß am Kummet erhalten. Zu kurze Zugstränge begrenzen dagegen die Stellung und können dazu führen, dass andere Teile des Geschirrs ungünstig belastet werden. Die passende Länge hängt von Pferdegröße, Kummetform, Anspannung und Fahrzeug ab. Ein pauschales Lochmaß gibt es nicht.
Beim Einspänner ist besonders darauf zu achten, dass der Zug mittig und gleichmäßig zum Ortscheit geführt wird. Beim Zweispänner müssen beide Pferde zueinander und zur Waage passend angeschlossen sein. Unterschiedliche Pferdegrößen oder abweichende Kummetformen verlangen gelegentlich unterschiedliche Einstellungen. Entscheidend ist nicht, dass die Lochung optisch identisch ist, sondern dass beide Pferde im Stand und in Bewegung gleichmäßig ziehen können.
Der Belastungstest ersetzt keine Fahrkontrolle
Ziehen Sie nach dem Anschirren mit der Hand kontrolliert und nacheinander an beiden Zugsträngen. So merken Sie, ob eine Schnalle nachgibt, ein Haken Spiel hat oder ein Riemen falsch geführt wurde. Der Test simuliert keine echte Zuglast, ist aber eine wirksame letzte Kontrolle vor dem Losfahren.
Fahren Sie nach Veränderungen am Geschirr zunächst langsam an und beobachten Sie das Pferd. Geht es willig in den Zug? Läuft es gerade? Hängt ein Zugstrang im Arbeitstempo durch oder entsteht auf einer Seite auffällige Spannung? Halten Sie bei Unsicherheit an und korrigieren Sie die Einstellung am sicheren Platz. Während der Fahrt an Riemen zu greifen oder eine Schnalle unter Spannung zu öffnen, ist keine Lösung.
Typische Fehler, die sich vermeiden lassen
Ein häufiger Fehler ist, die Zugstränge nur auf Symmetrie im Stand zu prüfen. Das Pferd bewegt seine Schulter, der Wagen folgt dem Gelände, und die Winkel ändern sich. Deshalb ist die Kontrolle nach den ersten Metern ebenso sinnvoll wie der Blick vor dem Anfahren.
Ebenfalls problematisch sind verschlissene Löcher und zu eng gesetzte Schnallungen. Wenn der Dorn nicht sauber im Loch sitzt oder seitlich auf eine ausgerissene Kante drückt, kann der Riemen unter Last weiterziehen. Verwenden Sie keine zusätzlichen Löcher, wenn dadurch der Abstand zu vorhandenen Löchern zu klein wird. Die Tragfähigkeit eines Zugstrangs hängt auch von diesem Bereich ab.
Verwechslungen entstehen zudem, wenn Zugstränge, Leinen und Trageriemen beim Reinigen oder Lagern nicht getrennt gehalten werden. Eine feste Ordnung spart beim Anschirren Zeit und verhindert, dass ein Riemen übersehen oder falsch geführt wird. Nach nassem Wetter sollten Ledergeschirre langsam trocknen und anschließend bedarfsgerecht gepflegt werden. Direkt auf einer Heizung zu trocknen, macht Leder spröde.
Wann fachliche Beratung sinnvoll ist
Bei einem neuen Kummet, einem Wechsel von Brustblatt- zu Kummetgeschirr, einem anderen Wagen oder der Umstellung auf ein- oder zweispänniges Fahren lohnt sich die fachliche Abstimmung. Auch bei Pferden mit ausgeprägter Schulter, ungewöhnlicher Größe oder wiederkehrenden Druckstellen sollte die Einstellung nicht auf Vermutung beruhen.
Für die Auswahl passender Zugstränge zählen Material, Breite, Beschläge, Länge und das eingesetzte Fahrsystem zusammen. Esposita bietet als spezialisierter Fahrsport-Fachhandel ein breites Sortiment für unterschiedliche Anspannungen und unterstützt bei konkreten Fragen zur Kombination von Geschirrteilen. Ein Foto der vorhandenen Beschläge und genaue Maße helfen dabei, Fehlkäufe zu vermeiden.
Nehmen Sie sich vor jeder Fahrt die wenigen Minuten für den Blick auf Kummet, Beschläge und Zugstränge. Diese Routine schützt nicht nur das Material, sondern gibt Pferd und Fahrer die Sicherheit, die ein korrekt angeschirrtes Gespann ausmachen sollte.